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Krankengeschichte Jan Georgi

1987 Die ganze Sache begann mit einem Verkehrsunfall auf dem Weg zur Arbeit im Juni ’87.
Oberschenkelfraktur links nicht offen! Nach Einlieferung in die Klinik wurde mir kurz erklärt, dass eine Markraum- Nagelung die optimale Versorgung wäre. Dies geschah dann auch. Somit war die Fraktur zur offenen Fraktur geworden.
Nach kurzer Zeit, noch in der Klinik, traten dann die ersten Komplikationen auf. Diese resultierten allerdings zum Teil aus der Mangelwirtschaft der ehemaligen DDR. Mir wurde ein zu langer Nagel eingeschlagen, da kein anderer zur Verfügung stand, der am oberen Ende des Knochens 2 cm herausragte.
1988 Dieser Überstand verursachte bei der Mobilisierung zur Kur eine Entzündung in der Gesäßmuskeltasche. Diese Entzündung drang in den Markraum ein und an der Bruchstelle aus. Ich musste mit akutem Krankheitsverlauf vom Kuraufenthalt zurück in die Klinik. Der Marknagel wurde nach 7 Monaten wieder entfernt. Es wurden unzählige Spül- Drainagen gelegt. Durchgeführte Op’s 8. Nach dem in dieser Klinik meiner und meiner Eltern Ihrer Meinung nach diese Sache nicht in Griff zu bekommen war und mittlerweile schon an Amputation gedacht wurde, lies ich mich auf eigenen Wunsch in eine andere Klinik verlegen. Anzumerken ist, dass ich zu diesem Zeitpunkt noch keinen Schritt laufen konnte und eine solche Verlegung zu DDR- Zeiten ein Skandal war.
Nach verschiedenen Untersuchungen in der „neuen Klinik“ wurde innerhalb kurzer Zeit noch 2 Op’s durchgeführt und ich wurde nach 6 Wochen Aufenthalt „mit Bein“ entlassen. Nach nochmals 10 Wochen konnte ich meine Arbeit als Bergmann- Untertage wieder aufnehmen. Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht im geringsten, welche Zeitbombe in mir tickte.
1989 Ziemlich genau 1 Jahr später begann nun diese Sache sich wieder bemerkbar zu machen. Ich konnte es nicht begreifen wieso ich schon wieder solche Probleme mit meinem Bein bekam. Wieder begab ich mich in diese Klinik mit der Hoffnung, die Sache schnell im Griff zu haben. Nun wurde nochmals 3 Op’s durchgeführt. Der Umfang der OP’s ist ja im allgemeinen bekannt (Sequestrektomie, Spongiosaplastik, Antibiotikaeinlagen), zumindest bei den Betroffenen. Aber eine Besserung trat nicht ein.
Als Nebenbemerkung muss ich noch sagen, dass mittlerweile die Deutsch- Deutsche Grenze gefallen war. Dies spielt eine erhebliche Rolle für den weiteren Krankheitsverlauf.
An einer Stelle des Beines hatte sich nun ein Fistelgang gebildet, der ständig versorgt werden musste. In diesem Zustand entließ man mich auf Eigenverantwortung aus dem Krankenhaus mit der Hoffnung auf Besserung. Diese trat jedoch nicht ein. Somit erkundigte ich mich bei meinem Kostenträger, der Berufsgenossenschaft, welche Möglichkeiten der Heilbehandlung durchgeführt werden können. Diese schlug mir vor in die BG Unfallklinik nach Frankfurt am Main zu gehen, da dort der Spezialist mit den größten Heilerfolgen in ganz Deutschland wäre. Dieser hätte in Zusammenarbeit mit Medikamentenherstellern diese Septipal- bzw. Antibiotika- Ketten entwickelt. Ein gewisser Dr. Klemm.
1990 In der Klinik angekommen wurden entsprechend voroperative Untersuchungen durchgeführt. Nach wiederum 3 Op’s, in denen der Knochen gefenstert, der Markraum ausgefräst und Druckgespült, Ketteneinlage in den Markraum und die Entzündungsregionen usw. durchgeführt wurde. War zumindest die offene Fistelstelle wieder verheilt.
1991 Nach wiederum ziemlich genau einem Jahr, dass gleiche von vorn diesmal genügten 2 Op’s.
1992 Das gleiche wie bereits 1990.
1993/94 In diesem Jahr versuchte man mit einer anderen Methode der Sache Herr zu werden. Man legte ein Gentamycin - Kette in den Markraum ein und lies sie dort.
Nun das Wunder bis 2002 hatte ich keinerlei Beschwerden die operativ bzw. anderweitig behandelt werden mussten, abgesehen von den allgemeinen Beschwerden wie Muskelschwäche, keinen richtigen halt im Kniegelenk, usw.
2002 Nun wäre ein Wunder nicht ein Wunder, wenn es nicht eine Ausnahme wäre. In diesem Jahr bildete sich an der Rückseite des Oberschenkels ein Abszess. Dieser wurde Untersucht und ein Sequester festgestellt. Jedoch bei der Operation keiner gefunden. Man lies die Wunde (ein Schnitt von ca. 5 cm) offen zuheilen. Jedoch blieb am Ende wieder eine Stelle, ca. 6 Monate offen. Eines Tages fiel beim Verbinden ein ca. 5 mm Durchmesser großer Sequester heraus und die Wunde schloss sich innerhalb von 10 Tagen. Im Anschluss hatte ich wieder keinerlei Probleme.
2004/05 Nun spielte diese Sache vollends verrückt. Ich bekam Schmerzen wie vergleichbare Ichjas- Beschwerden (wie auch immer das geschrieben wird), der medizinische Ausdruck ist Iliosakralfugensyndrom. Diese wurden trotz starker Schmerzmittel immer schlimmer, so dass mich mein Hausarzt nur noch in die Klinik einweisen konnte. Hier rätselte man woher diese Schmerzen kommen, zumindest versuchte man mit Schmerzmitteln dies vorerst zu behandeln. Kein noch so starkes Mittel half!? In den MRT Bildern war kein eindeutiger Befund auf die chronische Osteomyelitis zu schließen. Die Ärzte wollten aber nicht auf Verdacht ohne Anhaltspunkt einfach am Knochen operieren. Die Ärzte waren vorerst Ratlos.
Nun hatte man mittlerweile so viel Schmerzmittel an mir ausprobiert, dass meine Leber einen toxischen Schaden erlitt. Ich war gelb wie eine Zitrone. Nun geschah plötzlich, dass mein linker Oberschenkel innerhalb von Stunden anschwoll und die nun auftretenden Symptome eindeutig auf die alte Geschichte hinwies. Nun wurde auch sofort operiert. Dabei wurde die noch im Knochen befindliche Kette (11 Jahre) entfernt. Diese muss total vereitert gewesen sein, aber es konnte nichts nach außen dringen, somit machte sich die Sache über die Nerven bemerkbar. Dies ist eine Annahme von mir. Genaue Auskünfte erhält man eben nicht von den Behandelnden Ärzten. Der Kochen wurde Druckgespült (Jet- Lavage) und mit Antibiotika- Schwammeinlagen (Debridement und Sulmicin- Schwamm) behandelt.
Nach der ersten Operation stieg das Fieber weiter auf über 40 ° C so dass nach 4 Tagen fast so was wie eine Notoperation notwendig war. Das ganze Operationsprogramm noch mal und zusätzlich eine Drainage zu den anderen beiden. Das Fieber ging zurück. Nach 14 Tagen wurde erneut operiert mit Wundabstrichen am Knochen. Der dann laut Befund Steril war.
Zudem ist noch zu sagen, dass auf Grund des toxischen Leberschadens und Problemen mit der Bauchspeicheldrüse, der Galle usw., weitere Untersuchungen wie Gastroentoskopie, ERCP, usw. durchgeführt wurden. Es wurde eine Ernähung über die Venen angelegt.
Auf Grund meiner Erwerbssituation (ich bin Selbstständig) habe ich an keiner Kur- stationären Mobilisierung teilgenommen. Bin aber schon wieder ganz gut hergestellt. Jedenfalls führt mich diese Erkrankung beruflich immer fast in die Pleite. Von BG- Seite ist hier keine Unterstützung zu erwarten. Erst wenn man Pleite und Arbeitslos ist, muss die BG wieder Berufshilfe leisten. Welch ein Irrsinn!
Das Ende meiner Krankengeschichte beschließe ich mit den Worten meines im Klinikum behandelnden Chefarztes im Abschlußbericht. Zum behandelnden Arzt, Dr. Weiß ist zu sagen, dass dieser eine chronische Osteomyelitis noch als berufliche Herausforderung sieht, was man immer seltener findet.
„Auf Grund der Erkrankung ist mit einer endgültigen Ausheilung einer Osteitis nicht zu rechnen. Rezidive sind vorprogrammiert. Unser Ziel besteht darin, dass das rezidivfreie Intervall möglichst lang ist.“
Das läst wenigstens hoffen!
Jan Georgie
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