Karen Nippert Krankengeschichte
Krankengeschichte:
Durch einen Straßenbahnunfall wurde ich 1950 sehr schwer im Alter von 2 1/2 Jahren am rechten Unterschenkel verletzt. Die Ärzte der Unfallklinik wollten sofort den Unterschenkel amputieren, dazu gab meine Mutter aber nicht ihr Einverständnis.Dank des Penicellins, das gerade erst in Deutschland auf dem Markt war, wurde mein Unterschenkel gerettet, es fehlten die Wade und die Archillessehne und nach etlichen Monaten konnte ich wieder laufen. Mit Schienen versuchte man die Fußstellung (es entwickelte sich ein Klumpfuß) zu korrigieren was dauerhaft nicht gelang. Ich war aber ein sehr lebhaftes sportliches Kind und legte gerne die schwere Schiene beiseite , um den anderen zu zeigen, dass ich am schnellsten laufen kann. Das war tatsächlich so. Meine Mutter erzählt noch heute, dass ich nach einem Wettlauf in der Schule erzählt hätte nachdem ich die Schiene beiseite gelegt hatte: Mama, ich konnte fliegen.Es folgten bei mir noch bis zu meinem 13. Lebensjahr einige Operationen, die den Fuß besser richten sollte, leider nicht mit alzu großen Erfolgen meine ich.Die rechte Außenkante des betroffenen Fußes wurde immer stärker belastet, eine dickere Hornhaut bildete sich dort., an der Seite hatte ich auch weniger Gefühl, weil dort die Nervenbahnen wohl fehlen.Damals war von einer Osteomyelitis nichts zu sehen.
1990, also 47 1/2 Jahre nach meinem frühkindlichen Unfall hatte ich zum ersten Mal unter dem Fuß eine nicht heilende Stelle, die ich selbst versorgte. Sie heilte nicht und unser Hausarzt schnitt in seiner Unkenntnis daran herum und meinte, dass das in kurzer Zeit geheilt sein würde. Das war natürlich nicht so. Ein renomierter Hand- und Fußchirurg sagte mir, dass er sich da nicht ranwagen würde. Ich glaube, dass er wusste, dass eine Osteomyelitis sich dahinter verbarg.Professor Haasters, der damalige Leiter der Klinik in Damp war derjenige, der mir dann helfen konnte. Mit seiner orthopädischen Werkstatt besprach er, dass mir eine Schuheinlage gebaut wird, die an der problematischen Stelle eine Entlastung bietet, also dort durfte der Fuß nicht aufliegen. Nach 3 Wochen war die Stelle verheilt und ich war nach 5 Jahren wieder sehr glücklich , auch barfuß laufen zu können, Schwimmen zu gehen, Tennis zu spielen etc.
Im Herbst 2006 wurde mir eine neue Einlage für den rechten Schuh verschrieben und zur Probe sollte ich den Rohbau dieser Einlage schon mal probieren. Versehentlich trat ich auf die Kante dieser Einlage und da ich an der Fußaußenkante gefühllos bin, holte ich mir einen Bluterguss, der sich dann zu einer offenen Stelle entwickelte, infizierte, es bildeten sich Fistelgänge und die chronische Osteomyelitis war perfekt.Inzwischen war Professor Haasters nicht mehr praktizierender Arzt in Damp und ich musste mich an den Nachfolger wenden, der mir dann die Fistelgänge entfernte bei einer Weichteil OP im August 2007, aber es kam auch nach 6 1/2 Wochen Krankenhausaufenthalt nicht zur Heilung des Fußes. Nach 3 Wochen wurde die Heilung mit einer Vacuumpumpe probiert, das schien zunächst erfolgreich zu sein- ich war die erste Patientin bei der die Pumpe dort am Fuß eingesetzt wurde, aber der letzte Riss von 1 1/2 cm schloss sich nicht und aus der Wunde kam ein bernsteinfarbiges Sekret.. Nach einigen Wochen der genausowenig erfolgreichen Nachbehandlung der Wunde , bat mich Dr. Seide eine zweite Meinung durch Professor Mailänder in Lübeck einzuholen. Prof. Mailänder ist als Spezialist für plastische Chirurgie bekannt. Ein kurzer Blick auf meine Wunde sagte ihm, dass es sich um eine chronische Osteomyelitis handeln würde, deren Ursache nicht behoben worden sei. Er bot mir an mich in Ratzeburg zu operieren, aber ich müsste mich auf eine sehr schwere OP einstellen und eine lange Zeit. Er müsse die Nadel im Heuhaufen finden und ein Vorfuß/Fußoperation sei nicht ausgeschlossen. Mit diesem niederschmetternden Ergebnis fuhr ich wieder nach Hause und ich wusste , dass ich das auf jeden Fall nicht wollte.
Nachdem ich dann im Internet die Stichworte "Chronische Osteomyelitis Behandlungserfolge" eingegeben hatte, stieß ich auf Brittas Berichte über die Erfolge von Dr. Winkler in Wien. Schnell nahm ich im Februar mit ihm Kontakt auf, schickte Bilder und Berichte , ließ mir einen Kostenvoranschlag schicken, reichte den bei der Haftpflichtversicherung des Schadensverursachers ein, bekam am Tag vor meiner Abreise die Bestätigung für eine Kostenübernahme und flog am 12. März nach Wien, wurde am 13. März erfolgreich operiert ( die Fäden sind noch drin, aber die Wunde ist trocken). Die Röntgenaufnahme zeigt den mit Spongiosiakügelchen neu befüllten 5. Mittelfußknochen auf den meine chronische Osteomyelitis begrenzt aufgetreten ist.. Gleichzeitig wurde auch meine Klumpfußstellung noch mit korrigiert , soweit das bei dieser OP möglich war. 7 Tage nach der OP war ich wieder zu Hause. Nächste Woch fliege ich zur Anpassung einer Orthese noch einmal nach Wien. Derzeit trage ich einen Gips am rechten Unterschenkel und einen Gipsschuh. Ich darf bis zur Festigung des Spenderknochens, etwa 6 Wochen bis 3 Monate den Fuß nur teilbelasten und gehe an Unterarmkrücken.Meine Fäden werden am 28.03. gezogen. Mit der Orthese kann ich dann auch ohne Gehhilfen laufen, da die Entlastung des Körpergewichtes über das Knie stattfindet.
Werde über meinen weiteren Verlauf berichten !
23.03.2008
Karen
